Berufliche Gelenkstellen und bunte Vielfalt

Berufsbörse 2018 der Theologischen Fakultät Trier

„Studenten der Theologie die Möglichkeit geben, über den Tellerrand der klassischenkirchlichenBerufe Priester, Lehrer/in und Pastoralreferent/in hinauszuschauen und sie die Weite der Perspektiven und des Wirkungsraumes von Theologen in bunter Berufsvielfalt sehen zu lassen“, das ist eines der Ziele der ersten Berufsbörse der Theologischen Fakultät Trier, die sich André Manchen als Organisator und Moderatorder Veranstaltung gesetzt hat. Weil nicht nur dem Dozenten für die Alten Sprachen und dem Alumni-Beauftragten, sondern auch zahlreichen Professoren und dem Förderverein der Theologischen Fakultät aufgefallen war, dass die Trierer Theologiestudenten sich in Verknüpfung mit ihrem Studium über zahlreiche gesellschaftsrelevante Themen Gedanken machen und sich gleichsam die Frage stellen, inwiefern diese eine Bedeutung für den eigenen Lebens- und Berufsweg haben, kam es zu der Idee, ihnen eine konkrete und anschauliche Hilfestellung zur Beantwortung dieser Frage anzubieten.

Die Berufsbörse 2018 wurde ins Leben gerufen – mit Erfolg. Rund 40 Studenten und Studentinnen des Vollstudiums in katholischer Theologie oder mit Theologie als eines der Studienfächer für das Lehramt (Gymnasium und Realschule) sowie einzelne Teilnehmer und Teilnehmerinnen am Felixianum (des Orientierungs-und Sprachenjahrs der Diözese Trier) versammeln sich am Dienstag, den 5. Juni 2018, nachmittags in der Promotionsaula des Bischöflichen Priesterseminars und werden dort von André Manchen und Prof. Dr. Johannes Brantl, dem Rektor der Theologischen Fakultät Trier, herzlich zum „Versuchsballon Berufsbörse“ begrüßt. Sechs Theologen mit verschiedenen Profilen und aus den unterschiedlichsten Berufsbereichen, so erklären beide in ihrer Ansprache, hätten sich dazu gewinnen lassen, zu ihren, z.T. sehr verschlungenen Berufswegen zu erzählen und mit den Studierenden über die Berufsmöglichkeiten eines abgeschlossenen Theologiestudiums ins Gespräch zu kommen.

Den Anfang macht Dr. Monica Sinderhauf, die berichtet, wie aus der Studentin der Geschichte und Katholischen Theologie für das Lehramt mit ihrer Begeisterung für die Inhalte beider Studienfächer und ihrer besonderen Liebe zur Kunstgeschichte die heutige Leiterin des Bistumsarchivs in Trier und die Leiterin der Kanzlei der Bischöflichen Kurie geworden ist. Von der Verknüpfung zweier Studiengänge, des Studiums der Katholischen Theologie und des Studiums der Rechtswissenschaften, spricht auch Engelbert Apelt, denn die habe ihm einen realistischen Blick auf die vielfältigen Problemlagen der Menschen und ihrer Gemeinschaftengegeben. Ein Blick, der ihm bei seiner heutigen Aufgabe bei einer Bundesbehörde im Geschäftsbereich des Bundesinnenministeriums im Bereich Asylverfahren sehr wertvoll sei. Dr. Thorsten Hoffmann aus dem Bereich Personalentwicklung im Bistum Trier wiederum betont die drei Aspekte, die ihm in seinem Studium immer wichtiger geworden seien und ihn schließlich an seine heutige berufliche Position geführt hätten: Gesellschaftsrelevanz, Weite des Denkens und Dialog. Als einen Türöffner für seinen viele Stationen im Medienbereich umfassenden Berufsweg bezeichnet Thomas Juncker die Theologie und beschreibt die Möglichkeiten, die sich ihm durch dieses Studium auch im nicht-kirchlichen Raum, etwa bei dem Radiosender RPR 1, ergeben hätten. Drei Gelenkstellen seines Berufs-und Lebensweges erwähnt zudem Karl-Heinz Adam, von denen gerade die des Studiums der Katholischen Theologie und der Germanistik ihn zur Arbeit als Lehrer und Schulseelsorger bewegt habe. Heute ist er außerdem als Leiter des Instituts für Lehrerfort- und weiterbildung am Standort Saarbrücken tätig. Wie die Beschäftigung mit der Theologie ihn dazu inspiriert habe, mit mehreren Augen auf die Wirklichkeit zu schauen, schildert abschließend Dr. Hermann Josef Groß im Umriss seiner ehemaligen Zuständigkeit im Personalbereich des Bistums Trier und seines großen Anliegens, der generellen Laufbahnberatung.

Den treffenden Satz „Schon entdeckt, was in dir steckt?“ von Karl-Heinz Adam im Ohr, bietet sich im Anschluss an diese Vorstellung der einzelnen Berufswege der Alumni den Studenten und Studentinnen die Gelegenheit, diesen einzeln oder zu zweit im Rahmen eines „Speed-Datings“ persönliche Fragen zu deren Schilderungen zu stellen, Kontakte zu knüpfen und sich beraten zu lassen. Ein Angebot, das nicht nur die Studenten und Studentinnen ausgiebig nutzen, um im Gespräch in die vielfältigen und eher ungewöhnlichen Berufsfelder hineinzuschnuppern, sondern das umgekehrt auch von den im Berufsleben fortgeschrittenen Theologen gerne wahrgenommen wird. „Im Gespräch mit diesen jungen Theologen und Theologinnen bin ich dazu aufgefordert, mich selbst zu reflektieren und in Frage stellen zu lassen“, erklärt Thomas Juncker. Mit seiner Berufsgeschichte könne er so nicht nur anderen Mut machen, sondern auch übersich selbst dazu lernen. „Eine gute Idee“, lobt auch Dr. Monica Sinderhauf die Berufsbörse,zumal sie aus eigener Erfahrung um den Schatz wisse, im Studium oder am Anfang des Berufslebens „etwas mitten aus dem Leben zu hören“. „Bunt“, „vielfältig“, „optimistisch“, „interessant“, „herausfordernd, aber auch überfordernd“ – Stichworte, die unter den Studenten und Studentinnen fallen, welche sich zwischen den Speed-Dating-Einheiten im Vorraum der Promotionsaula zusammenfinden, um dort kurz zu verschnaufen. „In meiner Freizeit spiele ich in einem Verein Fußball. Wenn ich dort gefragt werde, was ich studiere und mit ‚Theologie‘ antworte, fällt jedem immer die Klappe herunter. Gegen Theologen und gegen die Theologie herrschen viele Vorurteile, die ausgeräumt werden müssen. Theologie gehört für mich ‚cool verpackt‘. Ich finde es gut, zu hören, wie Theologen auch in nicht-kirchlichen Bereichen arbeiten. Das ist eine echte Chance“, bringt eine der Studentinnen ihren Standpunkt in eine der Diskussionen um die aufgebauten Stehtische herum ein. „Wenn ich höre, was die alle für Leistungen im Vorhinein erbringen mussten und für Ambitionen hatten. Boah, da scheint ein Theologiestudium, das ja eigentlich in sich schon so viele Fächer drin hat, gar nicht zu reichen!“, meint eine andere. „Aber ist das nicht die Herausforderung?“, fragt eine dritte. „In unserem Studium sind so viele Ansätze enthalten. Jetzt muss man halt herausfinden, was für einen selbst das Besondere ist und sich fragen, wo die eigenen Stärken sind und wo man hin will.“ „Grundziel erreicht“, kann sich André Manchen am Ende der Berufsbörse sagen, als er sich bei den Alumni für ihre bereichernden Erzählungen und ihre mutmachenden Anregungen bedankt und alle Anwesenden noch zum Ausklang zu einem gemütlichen Umtrunk in den Vorraum der Promotionsaula einlädt. Grundziel erreicht – und vielleicht sogar mehr, denn der „fruchtbare Austausch in verschiedene Richtungen“ stimme ihn „hoffnungsvoll, dass sich auf diese erste Vernetzung zwischen Studierenden der Theologie und berufstätigen Theologen weiter aufbauen lässt“.